Gerd Tautenhahn

Kajak - Reisebericht und Faltbootausbau


Tux im Faltboot Italien: Elba Umrundung mit dem Kajak im Herbst 1999

     
Akzeptanz wildes Zelten Paddeltux Paddeltux Paddeltux Paddeltux Kein Paddeltux Keine Probleme zu erkennen.
Möglichkeiten zum Wildzelten Paddeltux Paddeltux Kein Paddeltux Kein Paddeltux Kein Paddeltux Wenige Plätze, Ufer sehr steil, Vorsicht Wellen - keine Sackgassen beziehen
Wasserqualität Paddeltux Paddeltux Paddeltux Paddeltux Kein Paddeltux gut bis sehr gut
Trinkwasser Paddeltux Paddeltux Paddeltux Paddeltux Kein Paddeltux Häfen, Städte - kein Problem. Natürliches allerdings nicht.
Fuchs-und-Igel-Faktor Paddeltux Paddeltux Paddeltux Kein Paddeltux Kein Paddeltux im Oktober, im Sommer sicher bis 1 fallend

Einleitung - Warum Elba ?

Für den Herbst 99 war noch eine Woche Urlaub auf Lager, das Bedürfnis nach angenehmen Luft- und Wassertemperaturen machte uns eine Tour im Mittelmeer schmackhaft. Die zuerst avisierte Küstentour Norditalien wurde aufgegeben, da laut Kartenlage nur ziemlich gerade Küstenlinie zu finden war, schon mittlere Wellen also den Spaß ziemlich beeinträchtigen könnten. Und Wind würde um die Jahreszeit bestimmt mal aufkommen. Einigen konnten wir uns dann auf eine Umrundung von Elba, nach Daumenmaß ca. 150 km Paddelumfang. Zumindest auf drei von vier Seiten sollte da ja nicht so starker Wind sein, wenn er denn ist. Hinfahrt über Schweiz, dort R. abholen, dann weiter nach Italien. Nach Vignettenkauf keine weitere Maut für Tunnel etc. nötig. Italien dann die übliche Autobahnmaut, kostenmäßig also halbwegs erträglich. Bis ca.200 km vorm Ziel haben wir es nachts geschafft, dort Übernachtung auf abgeerntetem Maisfeld im Schlafsack unter freiem Himmel. Kurz vorm schlafen gehen taucht ein Auto auf, bleibt im Wald stehen. Dank Innenraumbeleuchtung sind zwei diskutierende, Mafia-Stereotype weckende Typen zu erkennen. Nach eine halben Stunde dampfen sie aber ab, endlich Nachtruhe. Morgens beginnen bei Zeiten Hundegebell und Flintenschüsse, ein paar Bauern veranstalten Treibjagd. Da jagdbares Wild natürlich schon vor längerer Zeit erfolgreich in Richtung Null-Population bejagt wurde, wird alles mehr als maikäfergroße Getier niedergestreckt. Trotzdem können wir noch ohne Beschuß frühstücken. Mittags ist Piombino erreicht, Tickets für die Fähre gleich besorgt und ab aufs Schiff. Elba ist schon zu sehen, die 12 km Distanz wäre bei Schönwetter auch paddelbar, dies müßte dann freilich auch für die Rückfahrt garantiert sein. An der Strandpromenade von Pioferraio wird eingebootet, es gibt einen kurzen Rüffel von der Polizei weil Gerd dort mit dem Auto zum Ausladen hingefahren ist. Auto wird auch hier zurückgelassen, dann ist Start Richtung Westen, verbunden mit der Hoffnung demnächst aus Osten wieder einzutreffen. Zum Start gabs leichte Wellen, blauen Wassers, wenig Wind - heile Paddelwelt. Ein brauchbarer Zeltplatz fand sich auf einem kleinem Kiesstrand. Am Feuer gabs noch etwas Rotwein, dann gings recht bald ins Zelt, die letzte Nacht war doch ziemlich kurz gewesen.

Zwei Tage mit Rückenwind

Paddeln Elba
Typische Tropfgeräusche führten bei den Aufwachenden zur Überzeugung es regnet heute. Grauer Himmel und mäßiger Regen ließen sich auch durch ein ausgedehntes Frühstück nicht beseitigen, gestartet wurde dann ihnen zum Trotz. Kaum hatten wir unsere schützende Bucht verlassen wurden die Wellen erheblich größer, allerdings gemütliche große Dünungswellen. Ständig bergauf-bergab, allerdings ohne Überflutung der zuhause provisorisch gebauten Spritzdecke, ja kaum das Wasser aufs Deck gelangte. Das betraf jetzt aber nur die Salzwasserseite, von der Süßwasserseite kam recht bald ein ordentlicher Wolkenbruch, welcher das 400 m entfernte Land verschwinden ließ. Trotzdem war es noch angenehm warm, Luft ca. 20 C, Wasser etwa 22C. Aufkommender scharfer Wind besuchte uns freundlicherweise gemeinsam mit der Dünung von achtern, so daß unser Tempo mächtig anstieg. So richtig merkten wir es aber erst an unseren Orientierungsschwierigkeiten auf der Karte. Auf unserer Streckenplanung fanden wir uns nicht mehr zurecht, den eingestellten Kartenausschnitt hatten wir längst verlassen. Bei aller Freude über das schnelle Vorwärtskommen mußte man doch feststellen, daß die Küste recht unpraktisch für Paddler mit Landungswünschen war. Fast ausschließlich steile scharfkantige Felsküste, z.T. ca. 100 m fast senkrecht nach oben, Landung auch an flacheren Stellen bei 1,5 m Wellenhub fast unmöglich, zudem sinnlos, da ein trockenes Plätzchen ohnehin nicht zu Fuß zu erreichen. Was blieb waren einige kleine Kiesstrände, welche Seltenheitswert hatten. Davon unbekümmert rauschten wir weiter die Küste entlang, noch zwei Wolkenbrüche und ein Regenbogen, dann war sogar die Sonne wieder da. Der Suche nach einem brauchbaren Übernachtungsplatz konnte somit beginnen, erwies sich aber als schwierig. Einzig neben einem Fischkutter, welcher abseits an einem kleinen Kiesstrand lag, war noch ein Streifen Kies unterhalb der Felsen. Landung nicht ganz unproblematisch, im Wellentälern zeigten sich mehrerer scharfkantige Felsen begrüßungsbereit. Weiter oben wäre nach kurzer Kletterei auch ein Kiefernwäldchen erreichbar, da lehnten aber schon Drahtzaun und Privat-Schilder eine nähere Erkundung ab. Der Rest des Tages wurde mit Sachen trocknen, Boot lenzen und Abendbrot zugebracht.
Elba Felsenbucht
Am nächsten Morgen waren Wind und Wellen zum Großteil verschwunden, es begann ein gemütlicher Sonnen-Paddel-Tag. Allzusehr beeilen wollten wir uns nicht, unser Zieleinlauf wäre sonst schon zu früh erfolgt (fürchteten wir jedenfalls damals noch). Das Mittelmeer zeigte sich also von seiner netten Seite, bis zum Abend hatten wir wieder ein gutes Stück geschafft, zum Zelten fand sich eine idyllische Bucht, mit Sandstrandqualität, von Land völlig unzugänglich. An die Angel verirrte sich erst ein Seestern, dann ein kleiner, lustigbunter Fisch, welcher losgeschickt wurde Mama zu holen, die hatte jedoch keine Lust auf einen Besuch. Abends dann ganz ruhiges Meer, welches nur noch kleine Murmelwellen schickte. Über Nacht hatte sich das Meer jedoch vollständig ausgeruht, es war nun putzmunter. Beim Frühstück wurde schon gegrübelt, wie da wohl halbwegs trocken in die Boote zu kommen wäre. Abwarten wollten wir aber nicht, wer weiß was noch kommt. Ins Wasser kam man auch noch recht gut, zunächst sollte mal eine 2 km breite Bucht überquert werden. Gestern wäre das eine Sache von 15 min gewesen, heute würde es wohl etwas länger dauern.....



Dann wird die Sache schwierig

Ungemütliches Wasser
Etwa bis zur Mitte der Bucht ging es noch halbwegs voran, R. verschwand regelmäßig von der Bildfläche, wenn er ins Wellental abtauchte, bald verschwand auch die Felsküste gegenüber regelmäßig hinter einer Wellenmauer. Nicht mehr die netten großen Dünungswellen, sondern spitz aufgetürmte Brecher. Regelmäßig rollte einer über das Boot, und sorgte dafür, daß auch die Haare nicht trocken blieben. Aufgrund unterschiedlicher Lagen im Wind (R.s Einer lief etwa gerade, mein Zweier dreht ständig hart aus dem Wind) liefen unsere Boote schnell auseinander. Um die Sache komplett zu machen begann ein mächtiges Gewitter, es schüttet so stark, daß das Wasser weiß erschien, die spitzen Wellenkämme vom Regen flach getrommelt wurden. Dazu kam von Land her Nebel auf, bald war nur noch andeutungsweise das Ufer gegenüber zu sehen, R. war der Sicht entschwunden. Spaß machte die Sache schon lange nicht mehr, bloß noch irgendwie drüben ankommen. Zurück wäre sinnlos gewesen, unsere idyllische Bucht erwies sich als prima Wellenfänger, die Wellen schlugen weit über unserem Zeltplatz in den steilen Felswänden ein. Trotz intensivem Paddeln ging es kaum voran, Kurshalten war schwierig, ständig zerrte irgendjemand von unten am Ruder. Unendlich langsam kam das Ufer näher, R. mußte irgendwo weit rechts ankommen, da war Strand vor einer kleinen Stadt, ich wollte da auch hin, wegen meiner Abdrift mußte ich aber noch um eine Felsspitze herum. Dazu mußte ich aber schräg gegen Wind und Wellen anfahren, der Wind drückte mich ständig nah an die scharfkantigen Felsen, vorwärts gings nicht mehr. Also nix mit Standlandung. Wende, und ich trieb in entgegengesetzter Richtung parallel zur Küste entlang, auf der Suche nach irgendeinem Notlandeflecken. Entlang der Steilküste hier gabs aber immer nur einen kleinen Felsabsatz zum Wasser hin. Entweder großes Geröll oder flacher, scharfkantiger Fels. Beides war denkbar ungeeignet um sich von einer Welle obendrauf setzen zu lassen. Das Boot würde an Land ohnehin kaum noch zu bewegen sein, schließlich war es bis zur Hälfte voll Wasser. Nach einem Kilometer tauchte netterweise eine kleine Badebucht mit Sandboden auf. Dort Volldampf hin, Boot auf den Stand setzen lassen und raus. Mühevoll wird das Boot mit jeder Welle ein Stück weiter an Land gezogen, dann von Gewicht befreit und vollständig geborgen. Der Sandstrand liegt unterhalb eines Felsabsatzes, grad noch so breit, das er nicht vollständig von den Wellen überrannt wird, zudem liegt die Bucht etwas abgeschirmt. Wenige Meter oberhalb beginnt eine große Ferienhauskolonie, um die Zeit völlig verlassen.
Wieder an Land
Der starke Regen von vorhin kommt noch mal vorbei um zur Landung zu gratulieren, nebenher noch Windböen, welche Wellblechdächern und Schlauchbooten das Fliegen beibringen. Da sich kein brauchbarer Unterschlupf findet, wird am Strand mit viel Mühe das Zelt aufgebaut. Nebenbei verwandelt sich die Treppe zum Stand in einen lustigen Wasserfall, leider mit Bach Richtung Gerds Zelteingang. Da das Zelt nicht weichen kann muß es der Bach, dirigiert durch einen kleinen Staudamm. Der fehlende Baumbestand führt zum haltlosen davonrauschen allen Regenwassers. Von R. ist aus dieser Bucht heraus nichts zu sehen, zudem ist der direkte Weg in seine Richtung durch dichte Bebauung versperrt, also wird der Regen erst mal abgewartet, patschnasse Klamotten werden gegen trockene eingetauscht. Sobald der Regen nachläßt wird das Boot ausgeschöpft, R. taucht zu Fuß auf. Er hatte es an unseren angepeilten Stand geschafft, allerdings auch mit einem randvoll gefüllten Boot. Wir beschließen, zunächst hier den Sturm abzuwarten, R. holt dafür sein Boot zu meinem Strand, auch auf der kurzen Strecke wird es wieder zur Hälfte mit Wasser gefüllt. Wenig später kommt ein alter Mann, schaut nach den am Stand liegenden Ferienhaus-Booten, schimpft, bindet einige fester. Halb deutsch halb Handfuß verständigen wir uns, er meint, wir sollten mit dem Zelt hier weg, was jetzt noch Strand ist würde bald alles verschwinden. Wir suchten also nach einem besseren Flecken, mangels Alternativen sahen wir uns genötigt einen Strandweg zu besetzen. Da Hoffnungen auf einen Neustart für diesen Tag schon fast begraben waren, wurde das Zelt ordentlich sturmfest gemacht. Dann machte man sich halt auf die Suche nach Futter. Im nächsten Ferienort gabs sturmbedingt keinen Strom mehr, zu essen aber auch nicht. Einem Tauchschulenbesitzer halfen wir bei der Bootsrettung, er brachte uns dafür zum nächsten Dorf um einzukaufen und zurück. Unterwegs berichtet er über die erfolgreiche Eroberung der Insel durch die deutsch-schweitzerische Privatarmee. Etwa 80% der bewohnbaren Inselfläche wurde erobert durch rücksichtslosen Einsatz von Scheckwaffen.



Elba Umrundung :-(

Nachts wurde der Sturm wirklich noch schlimmer, unser kleiner Strand verschwand, die Wellen schlugen fast bis zum ersten Ferienhaus. Auch tagsüber beruhigte sich das Wasser nicht mehr, wir saßen hoffnungslos fest. Nach einiger Grübelei beschlossen wir den Abbruch der Umrundung, in unserm Zeitlimit würden wir die Strecke nur noch schwer schaffen, sofern wir überhaupt noch mal ins Wasser kommen würden. Gerd machte sich auf den Weg, trampen auf Elba zu testen, quer über die Insel waren ca. 30 km zurückzulegen. Nach 10 km Marsch über Dorfstraßen fanden sich zwei Schweitzer, welche Gerd bis zum Auto brachten. Dann zurück, durch Feriendorfstraßen bis zu den Booten finden und diese schweren Herzens ins Auto gepackt. Dann Rückfahrt über die Insel und noch mal in die Ecken gespäht, welche uns bevorgestanden hätten. Eine Bucht war vollkommen zugeparkt von Frachtschiffen, welche Schutz suchten. Dann gleich auf die Fähre, das Auf und Ab machte vielen Passagieren zu schaffen, auch die beiden Paddler fühlten sich an Bord unwohler als in den Kajaks bei stärkerem Sturm. Da sah man wenigstens jede Welle kommen, jetzt war es dunkel, kein Land in Sicht..... Gleich viel besser ließ sich das Geschaukel aushalten, als man einen festen Punkt an Land anschauen konnte, ein Trick gegen Seekrankheit, der leider nicht weiter draußen klappt.
Noch in der Nacht gings mit viel Espresso zurück bis Zürich.





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