Gerd Tautenhahn

Kajak - Reisebericht und Faltbootausbau


Tux im Faltboot Kroatien: Osterküstentour und Umrundung der Insel Krk

     
Akzeptanz wildes Zelten Paddeltux Paddeltux Paddeltux Paddeltux Paddeltux Prima, keine Probleme
Möglichkeiten zum Wildzelten Paddeltux Paddeltux Paddeltux Kein Paddeltux Kein Paddeltux Nicht so sehr viele Plätze, oft steiles, dicht bewachsens Ufer. Oft sehr scharfkantiger Fels. Insgesamt aber vollkommen in Ordung.
Wasserqualität Paddeltux Paddeltux Paddeltux Paddeltux Paddeltux gut bis sehr gut, könnte das sauberste Salzwasser Europas sein
Trinkwasser Paddeltux Paddeltux Kein Paddeltux Kein Paddeltux Kein Paddeltux In Häfen oder Städten natürlich kein Problem. Allerdings sind die nicht immer zu erreichen, da es längere Küstenabschnitte ohne Straßenzugang etc. gibt.
Fuchs-und-Igel-Faktor Paddeltux Paddeltux Paddeltux Kein Paddeltux Kein Paddeltux im Frühjahr und Herbst 4, im Sommer teilweise bis 1 fallend

Geographie

Karte Adria

Adria Teil I - Nördliche Adria bei Rijeka (Osterküstentour)

Adriablick
Ostern bot mit vier freien Tagen die Alternativen: umfangreiche Ostereiersuche vs. Paddeleinstiegstour 2000. Der Osterhase meinte, für uns würde er auch später noch mal extra kommen, also fiel die Entscheidung auf Paddeltour. Warm sollte es auch sein beim paddeln, nach einigem Ringen entschied man sich für Kroatien, obwohl die Fahrt mächtig gewaltig sein sollte, in Relation zur verfügbaren Zeit (Autoroute sprach von 10 h ab Dresden-schön wärs gewesen). Ziel sollte die Halbinsel Istrien sein, von der Bucht von Rijeka aus sollte es irgendwie losgehen, irgendwo auf der Strecke Richtung Pula (Südspitze von Istrien) würde sich schon ein Plätzchen zum Einsetzen finden. Die Hinfahrtszeitpunkt (Donnerstag vor Ostern) war maximal ungünstig, zum einen wollten alle italienischen und kroatischen Gastabeiter zum Hasenfest nach Hause. Zum anderen wollten Tausende Deutsche, Östereicher und Schweitzer nachschauen, ob sie auch gut ankommen und fuhren hinterher. Resultat waren ca. 15 h nervige Fahrt. Grenzprobleme oder ähnliches gab es nie, Personalausweis reicht auch immer. Mit schlafen war also die Nacht kaum etwas, ziemlich breitgeknautscht kamen wir in Opatija (das liegt gleich neben Rijeka) an. Die Adria wartete bereits, hellblau mit sanften Wellen. Von Opatija Richtung Pula verläuft stets ein Küstenstreifen neben der Strasse, allerdings geht es meisten sehr steil, ohne Zufahrtsmöglichkeit herab. Ab Labin wird die Küste dann flacher, hier sind auch wir bis an die Küste vorgedrungen. Eine Feriensiedlung im Bau bot einen guten Einstiegs- und Parkplatz. Wie fast überall rund ums Mittelmeer sind auch hier alle größeren Bäume schon vor Jahrzehnten erfolgreich verbaut oder verheizt worden, meist existiert nur flache, dafür undurchdringliche Vegetation. Müde und schwitzend wurde das Boot aufgebaut und bepackt, dann gings endlich in See. Recht scharfer Wind machte den Paddlern zeitweise zu schaffen, nicht durch Wellen - dafür war er zu unregelmäßig -, sondern durch die Übergabe des Paddelspritzwasser an die Oberkörper. Die Küste ist ausschließlich felsig, kleine Kiesstrände tauchen hin und wieder auf, diese sind jedoch Treffpunkt für allem im Meer treibenden Müll, welcher im Steilküstenbereich keine Unterkunft findet. Eifrige Badegäste tragen im Sommer gern zur Geselligkeit bei. Je nach Gesteinsart sind die Felsbereiche glatt abgeschliffene Granitfelsen oder scharfkantig/spitzes Gestein. Letzters in solcher Qualität, das eine Landung schon bei ruhigem Wasser schwierig war. Fußsohlen und Bootshaut lehnten hier einstimmig den Landgang ab. Insgesamt ist die Anzahl brauchbarer Zeltplätze in dieser Gegend recht gering.
Felsen Adria
Und etliche Warnungen vor Bora (plötzlicher Fallwind, welcher die Fahrt unmöglich macht) waren mir auf den Wetterseiten begegnet. Diese bezogen sich jedoch auf die Jahreszeit allgemein, für unsere Tage gab es keine Warnung, sonst wären wir wohl kaum hergefahren. Grundwissen Bora gehört jedoch auf jeden Fall zur Adria Vorbereitung ! Auf drei viertel der Tagesetappe fand sich eine prima Bade- und Zelt-Felsbucht, dorthin wurde abends zurückgekehrt. Spätabends dann wurden die Paddler mit Traumbucht noch mal verunsichert, Wellengang eroberte ein Drittel der Bucht. Da man sich größere Wellen hier durchaus vorstellen konnte, wurde ein Notplan für nächtlichen Umzug entworfen, die Wellen waren hiervon so beeindruckt, dass sie von weiteren Angriffen absahen. Der nächste Morgen wurde wieder gemeinsam mit viel Sonne verbracht, es war schon viel zu viel davon, besser hätte man hiervon etwas aufsparen sollen. Frühstück wieder unterm Sonnenschirm, und bloß nie hervorschauen. Alle weiteren Aktivitäten wurden auch unter den Schirm verlegt. Wegen Wärme-Trägheit erfolgte der Start ziemlich spät, bewaffnet mit Kopftuch und Sonnencreme gings aufs Wasser. Pläne für einen Schattenspender an Bord konnten nicht realisiert werden. Tagsüber wurde eine größere Bucht mit Fischfarmen abgepaddelt, sie endete als kleines Delta im Sumpf. Als Zeltplatz fanden sich einige Felsplateaus in Treppenform. Dummerweise waren sie so eingerichtet, das mit jeder Stufe aufwärts die Eignung zum Zelten abnahm. Mit dem übriggebliebenen Mut von der letzten Nacht bewaffnet, nahmen wir Stufe 2.
In einem größeren Wasserloch auf Stufe 1 wohnte eine dicke Krabe, gleich neben mehreren Unterwasserhöhlen, durch deren Öffungen bei jedem Wellenschlag ein aufgeregtes Gurgeln drang. Die zeitweise aus der Deckung gefahrene Schere ließ auf mächtige Dimensionen schließen. Alle Tricks wurden versucht, sie aus der Deckung zu locken. Die ganze Nahrungspalette der Bootskiste wurde aufgefahren, weder Käse noch Salami führten zum Erfolg. Es blieb nur noch ein Schokoladenei als möglicher Köder, der Futterneid siegte hier aber über die Neugier im Instinktkampf, der Köder wurde doch im zwischenmenschlichen Bereich eingesetzt. Ein nächtlicher Überraschungsbesuch mit Taschenlampe zeigte zwar einige andere Lochbewohner, die Monsterkrabbe aber winkte wieder nur mit der Schere.

Am nächsten Tag gings ab Richtung Heimat, dicke Wolken machten den Abschied leichter, kaum waren wir im Auto gings mächtig los mit Regen. Apropo Wasser, wir hatten für die Tage 20 l Trinkwasser an Bord, und die haben grad so gereicht, allerdings durften die wirklich nur vertrunken werden. Möglichkeiten des Wassernachschubes unterwegs gab es nicht so einfach, man sollte da stets ziemlich viel dabei haben, zumal falls jemand schnell unter Hitzekoller leidet. Auf der Autobahn trafen wir dann die Bekannten von hinzu alle wieder, die Freude hierüber hielt sich jedoch in Grenzen.
Nebenbei wurde noch festgestellt, dass Slowenien einen prima Eindruck macht. Sehr waldreich, mit Flüssen, welche ins Verzeichnis potentieller Ziele aufgenommen wurden. Bestimmt gibt es bald auch einen Reisebericht von dort.



Adria Teil II - Umrundung der Insel Krk (September 2000)

Krk ist eine in der nörlichen Adria liegende Insel, recht bekannt als Touristenziel - von der Wasserseite aber erstaunlich nett. Im Norden der Adria gibt es zwei größere Inseln, Cres und Krk. Bei der oben beschriebenen Kajak-Tour war mir Cres aus der Ferne als steil und felsig aufgefallen - kaum Chancen an Land zu gehen. Ob es wirklich so ist weiß ich nicht, wir haben für unsere Umrundung Krk gewählt, zumindest im westliche und südlichen Teil ist die Insel flach. Sie taucht wie ein schräges Pult aus dem Meer (im Nord-Osten gehts dann freilich 200 m und mehr senkrecht nach unten).

Bucht Krk
Nach Krk kommt man über eine große (Maut!) Brücke. Im ersten Ort liegt auf einer Landzunge ein Campingplatz, dort haben wir eingebootet und das Auto gelassen (ca. 10 DM dafür bezahlt). Von dort aus gestart muß man noch an einer häßlichen Raffinerie vorbei. Kurz vor uns ist noch ein dicker Öltanker reingeprescht und hat empört gehupt. Unsere Heckwelle hat ihn dann fast zwischen die Pipelines geschubst. </Angeberei> Dann wurde noch ein gemütliches Stück gepaddelt, ein Zeltplatz fand sich leicht. Nach einem ruhigen Abend gings schlafen - bis etwa Mitternacht. Das Wellengeräusch vertrug sich dann nicht mehr mit dem Bewußtsein um das Boot 50 cm über Meeresspiegel.
Tatsächlich tat sich draußen ganz schön was. Im Dunkeln und barfuß wurde das Boot nach oben gewuchtet. Ein Erlebnis welches nicht auf diese Nacht beschränkt blieb (Lerneffekt ? Warscheinlich auch fortgespült worden). Am nächsten Morgen ging es noch vor dem Frühstück tauchen...dem Geschirr war natürlich nachts keiner zu Hilfe geeilt (Lerneffekt ? s.o.). Die nächsten Tage brachten einige Male ordentliche Wellen, die neu gebaute Spritzdecke leistete recht gute Dienste.

Sonnenschutz
An der Ostspitze der Insel warnten uns zwei Fischer vor kräftigem Südwind der bald kommen soll. Wir sollten doch umkehren und heimfahren. Zu starken Wind wollten wir wirklich nicht erleben (auf der Adria gibt es nur keinen oder zuviel Wind - zuviel heißt dann meistens wirklich zuviel.) Die Sache machte uns unruhig, da die Gegend wirklich nicht zum Landgang einlud. (100 m senkrechter Ausstieg).

Bucht Krk
Sehr, sehr zuügig wurde bis zu einer Schneckengang-ähnlichen Bucht gepaddelt - absolute Windstille und Ruhe. Am Ende der Bucht standen einige Ruinen, ein ganzes verlassenes Dorf, ein Marterpfahl mit gemarterter Puppe, einige Schafschädel - und blöckende Schafe. Natürlich - das war Mystic Sheep Bay.
Wegen der Windwarnung blieben wir hier - der Abend wurde am Feuer verbracht, er war kühl und windstill. Die Schafe waren verschwunden. Nachts gegen zwei wollte keiner mehr schlafen - es war 30 Grad warm geworden, der Wind und Regen waren da. Es war der Südwind - das Zelt wäre ohne uns weg gewesen. Wir waren drin und das Zelt von 1,10 m Höhe auf 0,30 m geschrumpft. Kurze Zeit später ein neues Geräusch, der erste Gestängebogen war gebrochen (9,5 mm Super-Dingens-Alu !!).


Mystic Sheep Bay
Der Regen flog quasi unter uns und dem Zelt durch. Etwa ein dreiviertel Stunde diese Veranstaltung, dann Windstille und kein Tropfen Regen mehr - in der Ferne blöckten ein paar Schafe in einer Höhle. Die nächste Tag war Ostern .... Ausrüstungssuche... wie groß war die Freude den Zeltsack nach einem Kilometer paddeln auf dem Meer zu treffen.
Zusammenfassung aller Angel-Resultate der Tour:
Ja, das war alles :-( .(Blau sind die Wüsten der Meere.)

SteilFels
Bei dem Wind auf dem Meer ? Entweder wären wir an der Felswand geendet oder in Italien. Geendet sind wir aber wieder auf unserem Zeltplatz - pünktlich nach 7 Tagen.
Fazit: Adria = Vorsicht mit dem Wind, dann eigentlich kaum was schief gehen.
Bei ruhigem Wasser finden sich etliche wunderschöne Zeltplätze in Felsbuchten. Bei starkem Wellengang verschwinden die ohne Abschiedsgruß. Hinten warten dann senkrechte Felswände und vorn das Meer, beides nachts nicht so anziehend - aber solange noch das Boot gewartet hat....????...Leine am Zelt (oder am Fuß !) festmachen.





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